„Zur Tonne“ auf Achse: unterwegs in Dresden Prohlis

Nachdem wir mit „Zur Tonne“ seit knapp zwei Jahren in Dresden unterwegs sind können wir gut einschätzen, wo die Grenzen unseres Projektes liegen. Denn was wir am Anfang nicht geglaubt hatten: Wie schwer es ist, die eigene Blase zu überwinden und Menschen außerhalb dieser zu erreichen. Oft sind es die bereits Aufgeklärten, Interessierten, die bei unseren Abenden vorbeischauen. Dabei sind wir mit dem Projekt gestartet, um möglichst vielen Menschen eine Art Restaurantbesuch zu ermöglichen. Auch deshalb wollten wir gern in Prohlis kochen.

Puppentheater im Freien

Ein Sonntag in Prohlis

Nachdem wir eine erste Veranstaltung in Dresden Prohlis im März coronabedingt absagen mussten, haben wir uns gefreut, dass das geplante Essen Mitte Juli nachgeholt werden konnte. Der Kinder und Familientreff Mareicke hatte die Familien der Nachbarschaft eingeladen um im idyllischen Garten der Einrichtung zusammen zu essen. Vorher sollte es für die Kinder Puppentheater und eine süße Überraschung geben. So kamen wir gleich doppelt zum Einsatz. Zuerst mit „Tonnja“, wo frische Waffeln gebacken wurden. Und danach in der Küche des Familientreffs, wo wir Kartoffelsalat, Pilzrahmsauce und kleine Bratlinge aus Gemüse und Brot vorbereiteten.

Burger in der grünen Oase

Im Garten warteten eingedeckte Tische und Brot mit Pesto auf die Gäste. Schnell waren alle Plätze belegt und gemeinsam ließen wir es uns schmecken. Für die Kinder gab es „Burger“ mit unseren eigens hergestellten „Brotletten“, viel frischem Gemüse und selbstgemachtem Ketchup. Die Erwachsenen entschieden sich zum großen Teil für ein Gericht mit Pilzrahmsauce, Bratling und Kartoffelsalat. Alle Gerichte hatten wir wie immer aus geretteten Lebensmitteln hergestellt. Und wie immer ging es uns auch in Prohlis darum, die Verschwendung fühlbar und genießbar zu machen.

Neugierige Blicke
Waffeln für Alle

Prohlis als Brennpunkt

Prohlis steht für die meisten Dresdner gleichbedeutend mit Plattenbau. Einher gehen oft Vorstellungen von Armut oder Gewalt, die im Stadtviertel herrschen sollen. Was wir erlebt haben, waren freundliche und offene Menschen. Kinder, die Spaß hatten, eine grüne Oase und Plätze der Ruhe. Nichtdestotrotz leben im Stadtteil viele Menschen, die sich einen Restaurantbesuch nicht leisten können. Da gesellschaftliche Teilhabe zu oft an finanzielle Ressourcen gebunden ist. Die Leiterin der Mareicke, Frau Nowaczynski, schrieb uns im Nachhineien, dass den Menschen oft nicht mit Respekt und Anstand begegnet würde. Das hat uns sehr nachdenklich gestimmt. Sicher, mit „Zur Tonne“ retten wir nicht die Welt. Aber wir wollen dazu beitragen, etwas zu verändern. Auch im Umgang miteinander. Daher wünschen wir uns, in Zukunft häufiger Orte wie die „Mareicke“ zu besuchen und Menschen ein gesundes, leckeres Essen sowie einen schönen Abend zu ermöglichen.

„Tonnja“ wird zum Food Truck