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Workshops

In der Schule, während der Projektwoche, im Museum oder auf einer Wiese – so unterschiedlich die Orte und Anlässe, so verschieden sind die Workshops aufgebaut. Individuell auf euch und eure Fragen zugeschnitten. Die Befähigung zur Selbstwirksamkeit steht im Mittelpunkt. Deshalb bildet das gemeinsame Planen, Zubereiten und Essen von geretteten Lebensmitteln das Highlight eines jeden Workshops.

Online-Bildungsworkshop mit dem Arbeiter Samariterbund

Unser erster Workshop dieses Jahr war auch eine Premiere für uns. Dieser fand komplett Online statt. Zwar haben wir im Laufe des letzten Corona-Jahres auch an digitalen Formaten gearbeitet, allerdings wurden die bisher noch nicht erprobt. Bisher. Denn in der ersten Märzwoche haben wir mit Bundesfreiwilligen des Arbeiter Samariterbunds gelernt, gekocht, uns ausgetauscht. Nicht am selben Ort, aber doch gemeinsam.

Die Supermarktchallenge: angenommen

Lernen, kochen, austauschen

Unser Workshop war eine Weiterbildung für Absolventen eines freiwilligen sozialen Jahrs beim ASB. Die 16 FSJler kamen aus den unterschiedlichsten Bereichen. Und während einige im Rahmen ihrer Arbeit bereits Erfahrungen mit Lebensmittelverschwendung gesammelt hatten, war das Thema für andere neu. Daher haben wir zum Einstieg am ersten Tag nach einer Kennenlernrunde über unsere Konsumgewohnheiten gesprochen. Entlang der sogenannten globalen Wertschöpfungskette haben wir nachvollzogen, wo Lebensmtitel verloren gehen. Und welche Rolle jede:r einzelne von uns hier spielt.

Handlungsorientiertheit war uns hier wichtig. Also hatten wir für Tag zwei die Aufgabe erteilt, dass die Teilnehmenden sich je eines unserer Rezepte vom Videodreh mit dem deutschen Hygienemuseum aussuchen und nachkochen sollen. Nicht ohne im Supermarkt einmal darauf zu achten, wieviel regionales Gemüse hier angeboten wird. Und wie leicht oder schwer es uns gemacht wird, uns klimafreundlich zu ernähren.

Dementsprechend wurde am zweiten Tag gekocht – alle für sich – und es wurden die Ergebnisse anschließend miteinander geteilt. Und obwohl wir die Rezepte für ein Pesto aus Möhrengrün, Rote Beete Brotletten, Radieschensalat und Brotauflauf vorher ausgegeben hatten, waren die fertigen Gerichte ganz verschieden. Das ist auch das Tolle am Kochen, dass es Raum für Kreativität, eigene Ideen und Improvisation gibt. Und dass dabei bis zum Schluß nie ganz klar ist, was nun eigentlich herauskommt.
So sahen die Teller am Bildschirm jedenfalls alle aus. Köstlich.

Die Ergebnisse des zweiten Tages

Online-Angebote ersetzen Präsenz-Formate nicht

Am dritten Tag schließlich haben wir unsere Erkenntnisse und Eindrücke noch einmal miteinander besprochen. Während sich die Teilnehmenden des Arbeiter-Samariter-Bunds am Seminar aktiv beteiligt haben, waren wir uns doch einig, dass Online-Formate Präsenz vor Ort nicht ersetzen können. So praktisch es ist, von jedem Ort aus arbeiten zu können und auch digital Bildungsarbeit betreiben zu können – die Dynamik einer Gruppe, gemeinsames Kochen und Austauschen sind digital einfach nicht übertragbar. Daher freuen wir uns auf den Sommer und zukünftige Veranstaltungen. Und währenddessen feilen wir weiter an unserem Bildungsprogramm und freuen uns über die Erfahrungen, die wir im Rahmen digitaler Workshops sammeln können.

Kochworkshop: Six days for Future II, Junge Profis am Werk

Im Sommer haben wir in Zusammenarbeit mit dem Umweltzentrum Dresden einen Bildungsworkshop für junge Menschen durchgeführt. Six days for Future ist ein Fomat, in dem sich die Profis von morgen ausprobieren können. In unserem Fall: Jugendliche, die sich eine Zukunft in der Gastronomie vorstellen können – und diese auch neu denken wollen.

Coronakonform kochen ist gar nicht einfach / ©Foto von Maria Funke

„Losgehen, Anpacken, Durchstarten“

Nach unserem ersten gemeinsamen Workshop wurden wir vom Umweltzentrum und den Valtenbergwichteln für den Herbst erneut eingeladen. Für den Oktober hatten beide in Pirna Liebethal ein weiteres Six Days for Future Camp geplant. So konnten Jugendliche unter dem Motto „Losgehen, Anpacken, Durchstarten“ für eine Woche in verschiedene Rollen schlüpfen. Und dabei neue Interessen entdecken, sich selbst austesten und herausfinden, wo die eigenen Stärken liegen. Abschließend gab es eine kleine Feier. Wobei wir mit „Zur Tonne“ die Planung und das Essen für diese müllfreie Party im Rahmen eines Workshops durchgeführt haben.

Theorie, Praxis, ein Kürbis und selbstgemachte Tortillafladen

„Six days for Future“ – Zusammen überlegen wir, wo und warum Lebensmittel verschwendet werden / ©Foto von Maria Funke

Dabei stand der Workshop bis kurz vor seiner Durchführung auf der Kippe. Denn bereits eine Woche zuvor wurde der Landkreis sächsische Schweiz zum Risikogebiet erklärt. Daher haben wir gemeinsam entschieden, den Workshop zu planen, solange es keine weiteren Einschränkungen für Dresden gab. Und wir hatten Glück. So waren wir am Freitag, den 18. Oktober unterwegs zum Jugendgästehaus Pirna Liebethal. Im Gepäck hatten wir drei Kisten Lebensmittel von der Tafel und unsere „Wundertüten“, gefüllt mit Infomaterial und Rezepten.

Da wir wussten, dass coronabedingt nicht alle Jugendliche an unserem Kochworkshop teilnehmen können, war es uns wichtig, vorher gemeinsam in das Thema Lebensmittelverschwendung einzusteigen. So haben wir eine halbe Stunde diskutiert und überlegt, warum Lebensmittel verloren gehen – und was Jede:r von uns dagegen tun kann. Die Jugendlichen haben sich eifrig beteiligt und der Debatte immer wieder neuen Antrieb gegeben. Dass das Thema allen unter den Nägeln brennt, haben wir an diesem Nachmittag gemerkt.

Alles selber machen

In einer kleinen Gruppe und mit Mundschutz coronagerecht kochen / Foto von Rosa Nguyen

Als wir mit 5 teilnehmenden Jugendlichen in die Küche gegangen sind, haben wir schnell gemerkt, dass alle gerne kochen. Das haben wir schon oft beobachtet: Dass vor allem Kinder, wenn man sie sie machen lässt, wahnsinnig gerne ausprobieren und keine Berührungsängste in der Küche oder mit Lebensmitteln haben. Das ist toll – und genau, was wir unterstützen wollen. In Pirna hatten sich die Jugendlichen im Vorfeld Tortillas, Chips und Bowle für ihr Partybüffet gewünscht. In abgewandelter Form machten wir uns nun gemeinsam daran, diese Wünsche umzusetzen. Statt Maisfladen haben wir eine Art Pfannenbrot selbst hergestellt, das mit einer Gemüsepfanne gefüllt werden konnte. Dazu gab es Möhrenhumus, ein Pesto aus Möhrengrün, Guacamole und Chips aus altem Brot. Die Bowle bestand aus einer Mischung aus geschnittenem und püriertem Obst, welches mit Mineralwasser aufgegossen wurden. Während wir schnippelten, brutzelten und pürierten, schnitzte ein Teilnehmer einen Kürbis – es war schließlich Halloween Zeit- der später als Bowlegefäß dienen sollte.

Wie plane ich ein Büffet?

Unser Fokus lag bei diesem Workshop auf der Planung eines müllfreien Büffets. Also besprachen wir mit den Teilnehmenden, wie groß angemessene Portionen sind. Was bei der Versorgung Anderer zu beachten ist. Und dass man keine Angst vor zu wenig haben muss. Oft sind Caterings oder Büffets viel zu reichlich geplant. Es ist nicht schlimm, wenn am Ende alles leer ist! Im Gegenteil! Zusätzlich haben wir während des Kochens darauf geachtet, möglichst vollständig zu verwerten und nur wenig Abfall entstehen zu lassen, um den Teilnehmenden ein Gefühl dafür zu vermitteln, was alles gegessen werden kann. Nach drei Stunden, inklusive aufräumen und Tisch decken war es soweit: Das Büfett stand, die Party konnte los gehen. Wir hatten richtig viel Spaß mit unseren motivierten und engagierten Küchenhelfer:innen und freuen uns auf ein nächstes Mal Six Days for Future!

Halloween Party Büffet – leider nicht mit allen Speisen auf dem Bild – dafür umso besser in Erinnerung / ©Foto von Maria Funke

Zur Tonne on tour – „Reste“ verwerten auf dem Lingnermarkt

Am 16. Oktober waren wir mit Tonnja zum wahrscheinlich letzten Mal dieses Jahr draussen unterwegs. Mit Unterstützung der Marktgilde konnten wir einen Freitag auf dem Lingnermarkt verbringen, wo wir unverkäufliches Gemüse und Blätter der Händler:innen verarbeitet haben.

Tag im Freien kann losgehen / © Eric Münch

Markt als Treffpunkt und Schnittstelle

Der Lingnermarkt ist Dresdens größter Wochenmarkt. Direkt vor dem Hygienemuseum gelegen, kommen hier jeden Freitag die unterschiedlichsten Menschen zusammen, um einzukaufen, Kaffee zu trinken oder einfach nur zu schlendern. Dabei ist der Markt nicht nur wichtiger Treffpunkt, sondern auch Schnittstelle zwischen Verbrauchern und Produzenten, die sich hier begegnen und miteinander in Austausch kommen können. Etwas, das im Supermarkt eben nicht möglich ist.

An diesem Freitag wurden wir mit Tonnja zu einem von 106 Marktständen. Bereits im Vorfeld hatten wir mit einzelnen Händler:innen über unser Vorhaben gesprochen. Daher hatten uns fünf Marktstände am Freitagmorgen insgesamt zwei Kisten unverkäufliches Gemüse und übrig gebliebene Blätter zur Verfügung gestellt. Und wir waren ganz schön platt. Denn mit so viel tollem, verschiedenem Gemüse hatten wir nicht gerechnet. Und Ruck Zuck ging es ans Verarbeiten.

Im Weckglas zum Mitnehmen

Möhrengrünpesto im Glas…
…und als Probierhäppchen / Fotos von Maria Funke

Wir hatten uns überlegt, die verschiedenen Gemüse in Weckgläser einzufüllen, die dann von den Besucher:innen mitgenommen werden konnten. Gedacht, getan. Als erstes haben wir Möhrengrün in Pesto verwandelt. Während die Gläser schnell vergriffen waren, hatten wir eine paar kleine Probierhappen zurück gehalten. Tatsächlich hat das Möhrengrünrezept die Menschen interessiert. Darüber hinaus sind wir schnell mit den Besucher:innen ins Gespräch gekommen. Auch das anschließend zubereitete Birnen – Apfel – Zimt Kompott sowie mehrere Gläser Tomatensugo und Gemüsebrühe fanden schnell Abnehmer. Gegen 14 Uhr waren wir quasi „ausverkauft“ – glücklich und ein bisschen überwältigt von so viel positiver Rückmeldung am Tag.

Ein Fazit

Eine Kiste Blätterreste – die essbar sind / Foto von © Eric Münch

Der Tag auf dem Lingnermarkt hat uns nachdrücklich beeindruckt. Wir hätten nie gedacht – als wir die Idee hatten, Reste auf dem Markt zu verwerten – dass so viel noch frisches Gemüse für unseren Stand abfallen würde. Die Händler:innen hatten extra für uns aussortiert, was sonst die Hühner bekommen hätten. Was wir gelernt haben an diesem Freitag ist, dass Menschen, die auf den Markt gehen, sich sehr wohl Gedanken um ihre Ernährung machen. Bei den Wenigsten wird viel weggeworfen und den Meisten ist bewusst, was an einer Pflanze alles essbar ist. Und trotzdem konnten wir die Menschen vor Ort mit unseren Verwertungsideen überraschen. Es hat uns wahnsinnig gefreut, so viele spannende, interessierte Gespräche zu führen – quer durch alle Altersgruppen. Und: Ausnahmslos war Ernährung das zentrale Thema für die Besucher:innen, die sich informiert und besorgt über die gegenwärtige Situation äußerten. Da haben wir etwas gemeinsam. Wir kommen gerne wieder!

„Zu Tisch“ Kochworkshop im Japanischen Palais

Nach langer Planung konnten wir im September und Oktober zwei verschiedene Workshopkonzepte im Japanischen Palais umsetzen. Im Mittelpunkt des Formates „Zu Tisch“ stand der Gedanke, dass wir beim gemeinsamen Kochen Unsicherheiten und Berührungsängste mit Lebensmitteln und Zubereitungsarten verlieren – und uns somit ein Stück unsere Ernährung zurück erobern.

„Zu Tisch“ im Innenhof des Japanischen Palais / Foto von Stefanie Nünchert

Keine Angst vorm Unbekannten

Endlich wieder miteinander kochen! Coronabedingt mussten wir dieses Jahr einige lange geplante Kochworkshops absagen. Abstand zu halten ist in einer Küche eben oft nicht möglich. Umso mehr haben wir uns gefreut, dass das Japanische Palais einen Weg gefunden hatte, unsere gemeinsame Veranstaltung coronagerecht durchzuführen. Und so haben wir an zwei Freitagen mit den verschiedensten Menschen gekocht, geschnippelt und vor allem ausprobiert. Dabei stand von Anfang an gegenseitiges Lernen und Erzählen im Mitelpunkt.

…und ausprobieren / Foto von Stefanie Nünchert

Ohne Vorbereitung

Die Teilnehmenden hatten sich im Vorfeld für die Workshops angemeldet. Für uns eine besondere Herausforderung: Denn wir wussten nicht, auf welche Gruppe Menschen wir uns vorbereiten sollten. Dementsprechend aufregend war der erste Termin. Wie immer hatten wir Lebensmittel von der Tafel mitgebracht, die nach der Ausgabe übrig geblieben waren. Ideen für die Zubereitung sollten gemeinsam mit der Gruppe gefunden werden. Beide Workshops setzen unterschiedliche Schwerpunkte. Während wir im September mit einer kleinen Gruppe Pärchen an unserer Küche Tonnja arbeiteten, war der Workshop im Oktober als Senior:innen-Edition geplant.

Unser Anspruch in der Planung der Workshops war, möglichst vielen Bedürfnissen der Teilnehmenden gerecht zu werden. Um coronagerecht mit Senior:innen zu kochen, hatten wir die Gruppe geteilt. Da das Wetter im Oktober sehr unbeständig war, wurde der Workshop vom Innenhof des Japanischen Palais nach Innen verlegt. Allerdings darf hier – aus konservatorischen und denkmalschutzgründen – nicht gekocht werden. Also wurde improvisiert und die Gruppen stellten Salate, Smoothies und Aufstriche her. Dabei haben wir intensive, spannende Gespräche über die Lagerung und Verarbeitung von Lebensmitteln geführt. Gerade bei den Senioren kommt wenig weg. Allerdings hatten auch hier die meisten noch keine Berührungspunkte mit der Tafel.

Kochen ohne zu kochen / Foto von Rosa Nguyen

Auf Neues einlassen

Ob im theoretischen Austausch oder beim Verarbeiten. Die Teilnehmenden der Workshopformate hatten sich auf etwas Neues eingelassen: Tafel-Lebensmittel, eine mobile Küche, ungewohnte Rezepte. Wir freuen uns immer sehr, wenn Menschen bereit sind, einfach mitzumachen. Und gemeinsam herauszufinden, was wir kochen wollen. Die Freude der Menschen am Zubereiten ist, was uns diese Workshops machen lässt. Wir wollen einen Raum bieten für den Austausch über unsere Ernährung. Und wie wir uns diese zurückerobern können.

Zur Tonne on tour: Montagscafé

Endlich war es soweit. Auf Einladung von Wanja Saatkamp waren wir nach langer Vorbereitungszeit am 28. September mit unserer mobilen Küche Tonnja beim Montagscafé zu Gast. Wanja ist Koordinatorin dieses Projektes im kleinen Haus des Staatsschauspiels Dresden. Das Montagscafé hat sich dabei als fester Ort des Austauschs zwischen verschiedensten Menschen etabliert.

Neue Freunde, alte Bekannte / Foto von Klaus Gigga

Kochen in Zeiten der Pandemie

Und wie es sich für ein Café gehört, gibt es hier natürlich auch jede Woche leckere Kleinigkeiten für die Besuchenden. Während vor der Corona-Pandemie noch oft gemeinsam gekocht wurde, treffen sich die Teilnehmenden jetzt mehrheitlich zum gemeinsamen Essen. Dementsprechend hatten wir zwar Hilfe beim Schälen und Schnippeln des Gemüses – gekocht hat allerdings ausschließlich „Zur Tonne“. Wer unsere Arbeit kennt, weiß, dass das Kochen mit Anderen eigentlich im Mittelpunkt unserer Arbeit steht. Obwohl wir es schade finden, dass wir momentan nicht so arbeiten können, wie wir uns es wünschen würden, arrangieren wir uns damit. Und versuchen, neue Formate für uns zu erschließen.

Ein Ort für Freunde

Während wir auf der Terasse des kleinen Hauses kochten, füllte sich der Ort mit den Besuchenden des Cafés. Schauspieler:Innen, Geflüchtete, Mitarbeitende, Interessierte: sie alle kommen hier zusammen, um Kultur und Austausch zu erleben. Das Montagscafé ist 2015 aus dem Wunsch nach Vernetzung der Geflüchteten mit Dresdner Bürger:Innen heraus entstanden und hat sich mittlerweile zu einer Konstanten in der Dresdner Kulturlandschaft entwickelt. Nach einem gemeinsamen Spaziergang der Besucher:Innen kam die mit Tonnja zubereite warme Suppe gerade recht. Wir freuen uns immer, bürgerschaftliches Engagement für eine diverse und offene Gesellschaft zu unterstützen und sagen: Wir kommen wieder!

Warme Suppe am Abend / Foto von Klaus Gigga

Bildungsworkshop: Six days for Future

Gastronomie ist einer der Bereiche, die am stärksten von den Maßnahmen gegen Corona betroffen war. Noch im Mai hatten 58 Prozent der Betriebe in der Gastronomie beschlossen, Angestellte zu entlassen und Arbeitszeiten zu verkürzen. Und auch mit den zunehmenden Lockerungen werden ausgebliebene Einnahmen der letzten Monate kaum wieder aufzuholen sein. Die momentane Unsicherheit der Branche zeigt sich auch in der Problematik, vor der viele Auszubildende jetzt stehen. Da viele Betriebe nicht wissen, wie es weitergehen soll, steht auch die Zukunft der Auszubildenen in Frage. Dass Gastronomie so anfällig für die Verwerfungen ist, die Covid 19 ausgelöst hat, hat auch damit zu tun, wie in der Branche gearbeitet wird. Nämlich aufgrund der geringen Gewinnspannen oft auf Kosten von Mitarbeiter:innen und Umwelt.

Tonnja ist einsatzbereit / Foto von Maria Funke
Bildungsmaterialien zum Stöbern / Foto von Maria Funke

Gastronomie NEU denken

Bereits Anfang des Jahres hatte das Umweltzentrum Dresden mit uns Kontakt aufgenommen. Sie planten für den Sommer 2020 einen Reihe von Workshops, die Jugendlichen bestimmte Berufsfelder näher bringen sollten – unter anderem auch die Gastronomie. Unter dem Motto „Streuobst, Knödel, Vollpension“ sollten die Teilnehmer:innen sechs Tage gemeinsam in der Sächsischen Schweiz unterwegs sein, um lokale Erzeuger zu besuchen, gemeinsam zu kochen und sich auszuprobieren. Alles, um ein ganzheitliches und nachhaltiges Konzept von Gastronomie kennen zu lernen. Der ursprüngliche Plan konnte durch die Corona-Hygiene-Regeln zwar nicht wie gedacht umgesetzt werden – trotzdem fanden einzelne Workshops statt – nun allerdings auf dem Alten Matthäusfriedhof Dresden, der fast märchenhaften Außenstelle des Umweltzzentrums Dresden. So konnte „Zur Tonne“ schließlich doch einen Tag der Workshopwoche mit den Teilnehmer:innen verbringen.

Zusammen verstehen wir die Wertschöpfungskette / Foto von Maria Funke
Wie packe ich meinen Kühlschrank? / Foto von Maria Funke

Was ist eigentlich Verschwendung?

Den Tag haben wir mit einer ganz besonderen Kennenlernrunde begonnen, in der Jede:r etwas in der Umgebung sammeln sollte, das er oder sie mit Essen verbindet. Danach sind wir direkt in die Theorie gestartet und sind der weltweiten Verschwendung von Lebensmitteln entlang der Wertschöpfungskette nachgegangen. Die Teilnehmenden, die alle zwischen 16 und 24 Jahren alt waren, stellten Überlegungen an, wo in der Kette die meisten Lebensmittel verloren gehen und waren dann sehr überrascht zu hören, dass die Privathaushalte hier den größten Anteil haben. Von den schieren Zahlen der Ausmaße der Verschwendung ein wenig überwältigt, sind wir dann ins Handeln gekommen. Gemeinsam haben wir überlegt, was wir aktiv gegen Verschwendung tun können – vor allem zu Hause. Neben dem richtigen Einräumen des Kühlschranks und dem planvollen Einkauf steht hier vor allem das Verkochen von Resten.

gemeinsames Schnippeln / Foto von Maria Funke
Brotbratlinge… / Foto von Maria Funke

Ein Burger zum Selberbauen

Von der Tafel hatten wir drei große Kisten mit Lebensmitteln mitgebracht – wie immer war sehr viel Brot übrig. So dass wir beschlossen, aus Brot und Gemüseresten „Brotletten“ herzustellen – eine Art Bulette aus altem Brot, die auch gut als Burgerbun verwendet werden kann. Um den Hygieneauflagen gerecht zu werden, teilten wir die Teilnehmenden in drei Gruppen, in denen jeweils geschnippelt, geschält und gebraten wurde. Während die eine Gruppe die Brotletten herstellte, kreiierte eine andere Pesto aus Möhrengrün sowie vegane Mayo. Ein Salat rundete das Menü ab. Mittlerweile waren alle so motiviert wie hungrig – und im Handumdrehen waren alle Lebensmittel verarbeitet. Jede:r konnte sich einen eigenen Burger individuell zusammenstellen. Beim gemeinsamen Essen tauschten wir weitere Rezepte und Ideen aus. Wir freuen uns auf eine weitere Zusammenarbeit mit dem Umweltzentrum. Danke für eurer Vertrauen! Bis zum nächsten Mal!

und frische Tomaten und Gurken dazu /Foto von Maria Funke
Und fertig ist der Burger!! / Foto von Maria Funke

Ferienworkshop: Kochen mit Kindern & Jugendlichen

Obwohl die Restaurantabende einen großen Teil unserer Arbeit bei „Zur Tonne“ einnehmen – und nach wie vor wahnsinnig viel Spaß machen – ist uns unser Bildungsprogramm nicht weniger wichtig. Von Anfang an wussten wir, dass wir vor allem auf Bildung setzen wollten. Denn für uns sie der Schlüssel zur Veränderung und zum aktiven Gestalten der Zukunft. Daher haben wir verschiedene Workshopformate entwickelt, die wir den Anlässen entsprechend anpassen. Manchmal steht das Kochen im Mittelpunkt und manchmal eher die Theorie bei globalen Zusammenhängen.

Heutiges Menü / Foto von Rosa Nguyen
Vor dem Essen steht das gemeinsame Schnippeln / Foto von Rosa Nguyen

Bildung für nachhaltige Entwicklung

Mit unseren Workshops haben wir uns ganz dem Prinzip der BNE verschrieben. Diese drei Buchstaben stehen für „Bildung für nachhaltige Entwicklung“. Sie soll Menschen zu einem zukunftsfähigem Denken befähigen und es ihnen ermöglichen, die Auswirkungen des eigenen Handelns auf die Welt zu verstehen. Und für uns stellt Kochen vor allem die ideale Plattform dar, um ins Handeln zu kommen. Wir sind keine Köchinnen, wir haben Gastronomie nicht gelernt. Aber wir wollen etwas bewirken. Und das ist, was wir in unseren Workshops vermitteln wollen: Unser Handeln macht einen Unterschied. Wir müssen uns nur trauen.

Ein Nachmittag in Dresden Plauen

Daher haben wir uns sehr gefreut, am 23. Juli gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen im Plauener Bahnhof Dresden zu kochen. Hierhin eingeladen hatte uns das Zukunftsstadtprojekt „Essbarer Stadtteil Plauen“, die einen Spaziergang mit den Teilnehmenden durch das Viertel arrangierten – immer auf der Suche nach essbarem Stadtgrün. Danach sind wir im Jugendzentrum Plauener Bahnhof zusammengekommen, um Lebensmittel von der Tafel, aber auch Gesammeltes, zu etwas Leckerem zu verarbeiten.

An verschiedenen Stationen wird vorbereitet… / Foto von Rosa Nguyen
….geschnippelt, geschält und gedreht. / Foto von Rosa Nguyen

Sommerliches drei Gänge Menü

Da die Gruppe aus Kindern und Jugendlichen zwischen 9 und 18 Jahren bestand, beschlossen wir, den Theorieteil nicht zu umfangreich zu gestalten. In einem Kreis sitzend haben wir über die Ursachen der Verschwendung gesprochen – wobei uns die Kinder mit ihrem Wissen mehrmals überraschten. Alle waren interessiert und voller Tatendrang, vor allem als wir dann zum kochen kamen. Es sollte ein sommerliches Drei-Gänge-Menü geben, aus Salat, Ofengemüse mit verschiedenen Dips und selbstgemachtem Bananeis. Schnell waren drei Arbeitsstationen gebildet und es wurde geschnippelt, geschält und gehobelt. Vor allem die Jüngsten hatten großen Spaß, selbst Hand anlegen zu dürfen, und waren eifrig bei der Sache.

Ein Traum aus dem Ofen / Foto von Rosa Nguyen
Jeder tut sich selbst auf / Foto von Rosa Nguyen

Den Nachmittag rundete ein gemeinsames Essen ab. Unsere Gespräche drehten sich um das Essen und wieviel wir eigentlich selber machen können – ohne großen Aufwand. Das erleben wir oft. Viele Menschen haben Respekt vor dem Kochen. Auch, weil scheinbar perfekte Fernsehgerichte und Kochshows, in denen unzählige Zutaten Verwendung finden, die Zuschauer oft überfordern. Sich einfach zu trauen, fällt vielen schwer. Die Arbeit mit Kindern ist daher etwas, das besonders großen Spaß macht, da sie sich solche Gedanken nicht machen. Dafür wird den Kindern zu unrecht oft zu wenig zugetraut. Und genau hier möchten wir ansetzen und vermitteln, dass Kinder natürlich Verantwortung tragen können. Für sich selbst und ihr Handeln. Wir hatten einen wunderschönen Tag in Dresden Plauen und freuen uns schon darauf, das nächste Mal wieder gemeinsam den Kochlöffel zu schwingen.

„Zur Tonne“ als Mentor: Radebeul isst

Küchenteam, mit Patrick von der Stadt Radebeul, Änni von der Tafel Radebeul e.V. und „Zur Tonne“. / Foto Stadt Radebeul

Dass die Verschwendung von Lebensmittteln längst kein Nischenthema mehr ist, sondern viele Menschen umtreibt, wurde uns wieder einmal bewusst, als wir mit „Zur Tonne“ einer Einladung der Stadt Radebeul folgten, um dort einen unserer offenen Abende zu veranstalten. Bereits letztes Jahr hatten verschiedene Akteure der Stadt Radebeul Kontakt mit uns aufgenommen. Denn das Sozialamt, die lokale Volkshochschule, das Familienzentrum und Weitere hatten gemeinsam die Idee, in Radebeul ein eigenes Projekt zur Lebensmittelrettung auf die Beine zu stellen.

Radebeul, Stadt mit vielen Gesichtern

Überregional ist Radebeul unter anderem dafür bekannt, dass hier die Millionärsdichte in Deutschland angeblich am Höchsten ist. Entlang der alten Postchaussee zwischen Dresden und Meißen gelegen, bezeichnete König Johann die Stadt 1860 als „sächsisches Nizza“. Und obwohl es keine Riviera gibt, bestimmen Villen und Weinberge das Stadtpanorama. Gleichzeitig gibt es auch hier eine Tafel, die bisher wöchentlich rund 70 Menschen versorgt hat. Und wie in Dresden ist auch in Radebeul die Zahl der Tafelkund:innen durch Corona angestiegen. In einer wohlhabenden Stadt zu leben, bedeutet eben nicht zwangsläufig, dass es hier keine Armut oder Bedürftigkeit gibt.

Tische und Stühle vor dem Kulturbahnhof / Foto Stadt Radebeul

Wir stehen vor den gleichen Problemen

Oder keine Verschwendungt. Denn wie in Dresden bleiben auch bei der Tafel Radebeul regelmäßig Lebensmittel nach der Ausgabe übrig. Und auch in Radebeul haben die Initiator:innen beobachtet, dass durch die Spaltung der Gesellschaft die Menschen weniger zusamenn kommen. Daher kam der Wunsch, ein gemeinsames, öffentliches Essen zu veranstalten. Und da wir mit „Zur Tonne“ bereits seit zwei Jahren unterwegs sind, wurden wir sozusagen als „Mentoreninnen“ für das zukünftige Projekt eingeladen. Denn schließlich stehen wir alle vor ähnlichen Problemen. Und warum sollten Andere nicht von unseren Erfahrungen profitieren können?

Vor dem Regen

Ein erster Abend von Vielen

Nach einem halben Jahr Planung und Vorbereitung war es dann soweit: Am Donnerstag, den 16. Juli 2019, fand unser Premierenabend unter dem Motto „Radebeul isst“ statt. Vor dem Kulturbahnhof Radebeul waren Tische für kleinere Gruppen aufgebaut worden. Aufgrund der Coronaauflagen hatten wir uns gegen eine lange Tafel entschieden. Nachdem die ersten Hungrigen Platz genommen hatten, fing es rechtzeitig zum ersten Gang, einem Blumenkohlsüppchen an Brot und Möhrengrünpesto, an zu regnen. Daraufhin mussten 40 Menschen schnell in den Kulturbahnhof umziehen, der bereits im Vorfeld als Schlecht-Wetter-Variante ausgewählt worden war. Zum Hauptgang, einer gefüllten Parika Schote an Kartoffelsaalt und Pilzrahmsauce, fand auch der Bürgermeister der Stadt Platz im ehemaligen Bahnhof. Den Abschluss des Abends bildeten ein „Kirschmalheur“ und viele gute Gespräche.

„Malheur“ aus Kirschen, Pflaumen, Aprikosen und lockerem Kuchenteig / Foto Stadt Radebeul

Save the date

Dieser erste Abend stellt allerdings nicht das Ende unserer Zusammenarbeit dar. Denn bereits im November wagen wir eine Neuauflage. Alle Initiator:innen von „Radebeul isst“ wünschen sich eine Verstetigung des Projektes. Allerdings sollen in Zukunft Verantwortliche und interessierte Personen in der Stadt die Leitung dieser Abende in die Hand nehmen. Zu sehen, dass unsere Idee auch in Radebeul Menschen zum Handeln bringt, freut uns sehr. Und gleichzeitig wissen wir, dass es unserer Unterstützung dann nicht mehr bedarf. So wird der Termin im November der letzte gemeinsame sein. Und nächstes Jahr sind wir zu Gast, wenn es heißt: Radebeul isst.