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Städte gegen Foodwaste

Im Februar 2022 kündigte das Abfallwirtschaftsamt der Stadt Dresden seine Teilnahme an der Initiative „Städte gegen Foodwaste“ an. Sie wurde von Too Good to Go ins Leben gerufen. To Good to Go ist eine App, welche es einem ermöglicht, kurz vor Ladenschluss Reste des Tages, welche sonst weggeworfen werden würden, zu einem günstigeren Preis bei Händlern und Gastronomen zu kaufen.

Was will die Initiative erreichen?

Die Initiative „Städte gegen Food Waste“ bringt engagierte Städte in einem Netzwerk zusammen, um die Lebensmittelrettung im städtischen Raum zu stärken und so einen wichtigen Beitrag für mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz zu leisten. Im Rahmen der Initiative werden konkrete Maßnahmen entwickelt und umgesetzt, um Essen vor der Verschwendung zu bewahren. Im Rahmen der Initiative erarbeiten die Partnerstädte (Bonn, Bochum, Dresden, Essen, Frankfurt am Main, Kassel, Kiel, Köln, Mainz und Saarbrücken) verschiedene Aktionen und setzen sie um, um Food Waste vor Ort zu bekämpfen. Im Mittelpunkt stehen vor allem:

  • die Förderung der Umverteilung von überschüssigen Lebensmitteln
  • die gezielte Aufklärungsarbeit innerhalb der Bevölkerung.
  • der Austausch der Partnerstädte

Was passiert nun in Dresden?

In der Zwischenzeit fand ein Onlinetreffen zwischen Vertretern des Abfallwirtschaftsamtes und Zur Tonne statt. Unser Ziel ist es, in den nächsten Wochen Ideen zu sammeln, welche Maßnahmen in den verschiedenen Bereichen der Wertschöpfungskette umgesetzt werden können und auch wirkungsvoll sind. Diese Ideensammlung beruht vor allem auf den Erkenntnissen aus den Dialogforen, die das BMEL in den letzten Jahren mit Vertretern der verschiedenen Akteure der Wertschöpfungskette durchgeführt hat. Hier gab es auch Best Practice Projekte und Evaluation. Das Dialogforum zu den „privaten Haushalten“ läuft noch und „Zur Tonne“ nimmt daran teil.

Erste gemeinsame Aktion auf dem Bönischplatz

Da Zur Tonne bereits auf drei Jahre Bildungs- und Sensibilisierungsarbeit im Bereich Lebensmittelverschwendung bzw. Lebensmittelwertschätzung zurückgreifen kann, fand am 03.05.2022 beim Markttag auf dem Bönischplatz in der Johannstadt die erste gemeinsame Aktion statt.

Das Abfallwirtschaftsamt klärte in Zusammenarbeit mit dem Veterinäramt, welches sich um Lebensmittelsicherheit kümmert, Händler und Kunden über die Verwendung von mitgebrachten Mehrwegverpackungen auf.

Zur Tonne hat gerettete Lebensmittel verteilt und dazu Rezepte, Tipps zu Einkauf, Lagerung und Verarbeitung gegeben und über den Umfang von Lebensmittelverschwendung in Deutschland aufgeklärt.

Das MDR war dabei:

Bericht des MDR Fernsehen vom 05.05.2022

Deutsche Postcode Lotterie fördert Zur Tonne

+++ Zur Tonne darf sich über eine Förderung der Deutschen Postcode Lotterie freuen +++

Ende Februar kam die frohe Nachricht ins Postfach geflogen. Es folgten ein paar bürokratische Kleinigkeiten und seit April 2022 heißt es nun wieder:

„Verwenden statt Verschwenden.

Die Förderung läuft bis Oktober 2023.

So können langjährige Kooperationen bald wieder aufgegriffen werden, wie z.B. „Café Halva trifft Zur Tonne“ – der monatlich stattfindende Kochkurs im Johannstädter Kulturtreff. Ziel ist es, die Gerichte aus der Heimat der Frauen mit Flucht- und Migrationshintergrund mit regionalen und saisonalen Zutaten neu zu interpretieren.

Café Halva ist ein Begegnungstreff des Ausländerrates Dresden und hat jeden Donnerstag 15 bis 18 Uhr geöffnet.

Bildungs- und Kochworkshops können wieder stattfinden. Falls ihr daran interessiert seid, informiert euch bitte unter: Services und schreibt bei Interesse eine Email an: hallo@zur-tonne.de

Während der Corona Pandemie eingeschlafene Ideen erstrahlen im neuen Glans: Lest mehr dazu im Blogbeitrag: Prohliser Mittagstisch

Ganz neue Kooperationen sind am entstehen. Schaut dazu in den Blogeintrag: „Städte gegen Foodwaste“

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Die Freude ist riesengroß, dass Tonnja und Zur Tonne der Stadt erhalten bleiben!!!!

Vielen Dank an die Deutsche Postcode Lotterie

#retteLebensmittel mit foodsharing am 2. Mai 2021

Auf den „Tag der Arbeit“ folgt am 2. Mai der internationale Tag der Lebensmittelverschwendung. Denn ähnlich wie beim Equal Pay Day werden alle bis zu diesem Tag produzierten Lebensmittel für umsonst produziert. Genauer: für die Tonne. So landen rein rechnerisch weltweit ein Drittel der Lebensmittel in der Tonne. Diese immense Verschwendung von Ressourcen ist nicht nur an sich ein Skandal. Sondern in Zeiten des Klimawandels und der Verknappung von Gütern auch ein zunehmendes, ethisches Problem.

#RetteLebensmittel: Unser gemeinsames Motto am 2.Mai

Unklare Datenlage verhindert konkrete Maßnahmen

Obwohl es seit Jahren auf der politischen Agenda steht, die Lebensmittelverschwendung in Deutschland und in der EU bis 2030 zu halbieren, gibt es bisher keine einheitlichen Daten über das „wirkliche Ausmaß“ der weggeworfenen Lebensmittel in Deutschland. Verschiedene Studien – z.B. des WWF oder des Thünen Institut (beauftragt von der Bundesregierung) – kommen für 2015 zu verschiedenen Ergebnissen: 12 bzw. 18 Millionen Tonnen. Das liegt vor allem daran, dass es keine einheitlichen Methoden zur Dokumentation der Verschwendung gibt. Dies ist aber unerlässlich, um belastbare Zahlen zu generieren, Transparenz zu schaffen und zukünftige Maßnahmen zu bewerten.

Am 11. Mär 2021 gab das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft bekannt, dass es für die Umsetzung der Nationalen Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung (2019-2023) zwölf Millionen Euro zur Verfügung stellen will. Damit sollen umfangreiche, gesamtgesellschaftliche Prozesse angestoßen und wirksame Maßnahmen – über alle fünf Sektoren der Lebensmittelversorgungskette (Produktion, Verarbeitung, Handeln, Außer-Haus-Verpflegung und Privathaushalte) hinweg – umgesetzt werden. Das klingt gut, ist aber nicht genug! Denn es bedarf regionaler Strategien für Städte und Gemeinden, eines gesetzlichen Wegwerfstopps für Supermärkte und einer Überarbeitung des Mindesthaltbarkeitsdatums sowie finanzieller Unterstützung für Vereine und Initiativen zur Durchführung von Bildungs- und Informationsarbeit.

Aktion zum Tag der Lebensmittelverschwendung

Eigentlich wollten wir von Zur Tonne mit Unterstützung mit Foodsharing Dresden die Woche des guten Lebens nutzen, um in der Neustadt mit einem mobilen Fairteiler* und Informationsmaterialien auf das Thema aufmerksam zu machen. Aufgrund der aktuellen Corona-Schutzmaßnahmen wurde die WdgL aber abgesagt. Daher planen wir nun gemeinsam für den 2. Mai 2021 mit abwaschbarer Straßenkreide und auf Transparenten die Botschaften (u.a. „Essen ist politisch“, „Wegwerfstopp für Supermärkte“, „Verwenden statt Verschwenden“) auf Gehwege und Plätze Dresdens zu schreiben oder auf Transparenten aus Fenstern von Privatwohnungen zu hängen.

Fotos der Ergebnisse werden unter dem Hashtag #retteLebensmittel in den Sozialen Medien geteilt. „Foodsharing Deutschland“ hat Lebensmittelretter*innen bundesweit zum Mitmachen aufgerufen. Schließt euch an, macht mit, und lasst uns so dafür sorgen, dass wichtige Themen trotz Corona weiterhin sichtbar und im Gespräch bleiben. Welcher Tag eignet sich dafür besser als der internationale Tag der Lebensmittelverschwendung.

*So heißen die Regale und Kühlschränke, die foodsharing aufstellt, um Lebensmittel zu verteilen.

Lebensmittelverschwendung – ein kleiner Überblick

Rund ein Drittel aller weltweit prodzierten Lebensmittel ernähren niemanden, sondern landen in der Tonne. Weil sie auf dem Feld nicht mitgeerntet werden, beim Transport oder Verpacken beschädigt werden, im Restaurant zurückgehen – oder zu Hause im Kühlschrank verschrumpeln.

Das Ausmaß der Verschwendung

Das Ausmaß

Lebensmittelverschwendung geht uns alle an. Denn sie geschieht nicht heimlich, im Verborgenen. Vielmehr ist es scheinbar normal geworden, Nahrungsmittel geringzuschätzen. Dazu passend ist die Verschwendung in privaten Haushalten in wohlhabenden Ländern auch am größten.

Das trifft auch auf Deutschland zu. Hier landen pro Sekunde 313 kg noch genießbarer Lebensmittel im Müll. Das sind rund 80 kg pro Kopf und Jahr und ist in etwa so, als würden wir ein Viertel unserer Einkäufe direkt in den Müll werfen. Oder ziemlich genau 235 Euro verbrennen. Ganz schön verrückt oder? Dabei gehen vor allem Obst, Gemüse und Brot so verloren. Aber auch Milchprodukte, Süßes, Fleisch. Jährlich landen so in deutschen Haushalten etwa 230 000 Rinder im Müll. Hinter all dem steckt also auch und vor allem: tierisches Leid. Arbeitskraft. Treibhausgase. Wasser. Und eine Fläche der Größe von Mecklenburg-Vorpommern, die für die weggeworfenen Lebensmittel in Deutschland quasi umsonst bewirtschaftet wird.

Was wir tun können

Es ist kompliziert. Und doch einfach zu verstehen. Wir haben viel selbst in der Hand. Und stoßen unweigerlich an Grenzen. Um Lebensmittelverschwendung endlich zu beenden, bedarf es gesetzlicher Regulierungen. Denn der Wunsch nach einer sicheren, nachhaltigen Gegenwart und Zukunft für alle Menschen ist kaum vereinbar mit einem immerwährenden Streben nach mehr, mit einem weiter so. Daher kommt es auf uns alle an. Unser Mitteilen, Weiterdenken, laut sein, Einfordern. Vor allem jetzt.

2021 – ein tolles, neues Jahr mit „Zur Tonne“

Januar 2020

Letztes Jahr um diese Zeit
haben wir noch nichts gewusst von diesem Jahr um diese Zeit. Haben gearbeitet, uns getroffen, gefeiert, uns gefreut, bei der Agrardemo in Berlin demonstriert, unseren letzten Restaurantabend in der ZWICKmühle veranstaltet. Haben gekocht, uns ausgetauscht und öfter andere Themen als Corona gefunden. So selbstverständlich, so weit weg.

Denn letztes Jahr um diese Zeit
sah Alltag für uns, für die meisten, anders aus. Wir haben uns gesorgt wegen des Klimawandels, wegen der zunehmenden Ungleichheit und Armut, wegen dessen, was wir wegwerfen, obwohl gleichzeitig Menschen hungern. Und auch wenn dieses Jahr scheinbar alles anders ist, die Themen sind die gleichen geblieben – auch wenn sie derzeit auf den ersten Blick weniger sichtbar sind.

Und weil wir wollen, dass bis nächstes Jahr um diese Zeit
diese Themen nicht an Dringlichkeit verlieren und wichtig bleiben, machen wir weiter, arbeiten wir weiter. Auch wenn wir gerade nicht gemeinsam kochen und lernen können, bleiben wir dran. Und freuen uns auf 2021, in dem wir andere Themen finden werden als Corona, in dem wir uns austauschen und wieder zusammenkommen werden. So selbstverständlich und gar nicht weit weg.

Zwei Jahre „Zur Tonne“ – und wie es jetzt weiter geht.

Und plötzlich sind über zwei Jahre um. So lange sind wir mit „Zur Tonne“ nämlich schon in der Stadt unterwegs. Seit September 2018 haben wir mehr als zwei Tonnen Lebensmittel gerettet.

Grafik von Jens Rosemann

Ein kleiner Rückblick

Das heißt, nach der Ausgabe bei der Tafel Dresden haben wir mitgenommen, was nicht weitergegeben werden konnte. Viel Brot, aber auch Gemüse, Obst – exotisch und einheimisch -, Kräuter, und wieder Gemüse. Ob „abgelaufene“ Bioqualität, leicht angeschlagen oder schlicht unverkäuflich: Wir haben genommen, was eben übrig war. Und damit haben wir gekocht. Für Nachbarschaften, in Bistros und Restaurants, an der Uni und im Museum. Für und mit befreundeten Initiativen, neuen und alten Bekannten in Dresden und Radebeul. Seitdem wir unsere Küche „Tonnja“ von der Ausbildungswerkstatt P3 in Freiburg haben, vor allem draussen: bei einem Picknick mit Aussicht, im öffentlichen Stadtgrün, auf dem Wochenmarkt oder an der Elbe. Immer um zu zeigen, was Tolles aus „aussortierten“ Zutaten entstehen kann. Und wir haben gelernt. Mit Kindern, Jugendlichen und Senior:innen sind wir der globalen Verschwendung auf der Spur gewesen. Dabei wurde geschnippelt, gehobelt, gegessen und diskutiert.

Nur ein paar von vielen Kisten Lebensmitteln, die wir in den letzten Jahren von der Tafel bekommen haben. / Foto 1,2,3 von Maria Funke und 4 und 5 von Lena Giovanazzi
Und was daraus werden kann, mit viel Liebe zum Essen, zum Lebensmittel – auch ohne Koch zu sein oder es gelernt zu haben. / Fotos von Katarina Schrul, Reinhard Spunkner, Stefanie Nünchert und Maria Funke

Unsere Arbeit gibt es nur wegen Euch

Dass wir so viel machen konnten, verdanken wir vielen lieben Menschen, die an unsere Arbeit glauben. Jenen, die uns ehrenamtlich unterstützen – ob beim Kochen oder hinter dem Projekt. Ihr seid die Besten. Und wir hoffen, dass ihr in den letzten Jahren genau so viel Freude mit „Zur Tonne“ hattet wie wir. Und wir danken den Initiativen, Vereinen und Gruppen, mit denen wir immer wieder arbeiten. Konkret, danke an die #Zukunftsstadt Dresden, die TAFEL Dresden, Sukuma arts e.V., Lassesunstun, Café HALVA, dem LebensWurzel e.V. & Schellehof – Solidarische Landwirtschaft, Treberhilfe Dresden e.V., dem Essbarer Stadtteil Plauen, Plant values, den lieben Menschen im Bodenbacher Eck, im Café Gemüsetorte, der ZWICKmühle, der Club Passage. Sowie der Deutsche Marktgilde eG, dem Japanisches Palais, der Verkehrswende Dresden, dem Deutsches Hygiene-Museum und dem Sozialamt, der Volkshochschule im Landkreis Meißen e.V. und der Tafel Radebeul.

Zwei Tonnen Lebensmittel in zwei Jahren – was viel klingt, ist leider nur ein Tropfen auf den heissen Stein. / Fotos von Maria Funke
Umso wichtiger ist es, weiter zu machen. Noch mehr Lebensmittel zu retten, noch mehr Menschen zu erreichen und viele leckere Mahlzeiten zuzubereiten. / Fotos von Lena Giovanazzi, Maria Funke und Katarina Schrul

Ausblick auf die Zukunft

Und allen Menschen, die in den letzten Jahren mit uns gekocht, gelernt und selber erlebt haben, was Verschwendung wirklich bedeutet. 2 Tonnen Lebensmittel – was viel klingt, ist doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Denn nach wie vor wirft jede:r Deutsche 75 kg noch genießbarer Lebensmittel in den Müll, pro Jahr. Damit verschwenden wir Ressourcen – in einer zunehmend ungleichen Gesellschaft können und dürfen wir uns das nicht leisten. Die gute Nachricht ist: Bis zu einem bestimmten Grad haben wir es selbst in der Hand. Wer erlebt hat, wie gut „Reste“ doch schmecken, wer selbst gesehen hat, was Verschwendung bedeutet – wird in Zukunft anders handeln. Das ist, was wir immer wieder erleben, und deshalb wollen wir dran blieben. Ende November laufen unsere Fördergelder erst einmal aus. Daher schreiben wir momentan Anträge und planen, wie es weitergeht. Auch wenn die Zukunft derzeit ein bisschen ungewiss ist: Wir möchten mit diesem Projekt weiterarbeiten. Um noch so viele Menschen wie möglich zu erreichen und Lebensmittelverschwendung zu einem Ding von gestern zu machen.

Wenn Ihr uns unterstützen wollt, wenn Ihr Tipps zu Fördermitteln, Verstetigung und Projektanschubfinanzierungen habt: Schreibt uns gern!

Wissenschaftliche Begleitforschung: Zur Tonne empirisch untersucht

Von Anfang an wird Zur Tonne wissenschaftlich vom Leibniz Institut für ökologische Raumentwicklung begleitet. Gemeinsam mit anderen Initiativen in Deutschland – die ähnlich arbeiten wie Zur Tonne – und den Wissenschaftler:innen am IÖR wurde ein Fragebogen entwickelt. Dieser soll empirisch belegbar machen, was Zur Tonne in den letzten zwei Jahren bewirkt hat. Denn als Teil der Zukunftsstadt Dresden sind wir gemeinsam mit Projekten wie dem Essbaren Stadtteil Plauen und Anderen Reallabore, die die Zukunft in der Stadt gestalten.

Wir brauchen Eure Unterstützung

Aufregende zwei Jahre liegen nun hinter uns. Wir haben viel gemacht, gearbeitet, gekocht, Menschen kennen gelernt und dazu gelernt. Allerdings soll Zur Tonne auch für Andere wirksam sein und Veränderungen anstossen. Um diese Wirksamkeit empirisch zu messen, gibt es seit ein paar Wochen den vom IÖR entwickelten Fragebogen. Wenn ihr schon einmal bei einer unserer Veranstaltungen wart; mit uns gegessen, gekocht oder gelernt habt: Dann bitten wir euch um ein paar Minuten eurer Zeit. Die Befragung erfolgt selbstverständlich anonym und bietet auch Raum für eigene Gedanken oder Anmerkungen. Wir freuen uns über alle Teilnehmenden.

https://www.soscisurvey.de/ZurTonne/?fbclid=IwAR3sPoVTdJ-QfE6UdTXLya0abhgK6tuSlg1ju_QNAF1eW5zkNAjSqZT1ZNU

Kein Grad weiter – Klimastreik 2020 und der Kampf um die Deutungshoheit

Im September 2019 waren weltweit Millionen Menschen unterwegs, um für das Klima zu streiken. Sensibilisiert durch die da noch junge Bewegung „Fridays For Future“ war das Klimathema wieder in den Fokus der Öffentlichkeit gerutscht. Und die Bewegung hatte einen Nerv getroffen: Allein in Deutschland nahmen über eine Million Menschen an den hunderten, bundesweiten Demonstrationen teil. Das Klima war 2019 als wichtiges Thema auf die politische Bühne zurückgekehrt – obwohl es eigentlich nie wirklich weg war.

Plakat beim Klimastreik 2020 in Dresden / Foto von Maria Funke

Die „unsichtbare“ Klimadebatte

Rund alle sieben Jahre gibt der weltweite Klimarat IPCC den sogenannten Sachstandsbericht zur Erderwärmung heraus. Zuletzt 2018 mit einem Sonderbericht zu den Folgen einer globalen Erderwärmung von mehr als 1,5 Grad. 2015 hatten sich 175 Länder auf der Pariser Klimakonferenz dazu verpflichtet, die Erwärmung auf deutlich unter 1,5 Grad zu begrenzen. Um dieses Ziel zu erreichen, muss die Welt die Nettotreibhausgasemissionen zwischen 2045 und 2060 auf Null zurückfahren und damit einen sehr ambitionierten Klimaschutz betreiben. Gleichzeitig sollen ab der zweiten Jahrhunderthälfte Massnahmen zur verstärkten Aufnahme von CO2 getroffen werden – wie etwa die Anpflanzung von Wäldern.

Klimastreik 2020 in Dresden / Foto von Maria Funke

Ein umkämpfter Begriff

Momentan sieht es allerdings so aus, als verfehlten wir die Ziele der Pariser Klimakonferenz. Auch, weil wir gut im Verdrängen sind und zunehmend vernetzte Interessengruppen der Energiebranche Einfluss auf Politik und Öffentlichkeit nehmen. So ist das Leugnen des menschengemachten Klimawandels heute unter Parteien, Lobbyisten und Konzernen weit verbreitet. Dabei weckt der Begriff vom Klimawandel falsche Vorstellungen. Zwar wird der gängige Ausdruck von allen politischen und gesellschaftlichen Akteuren benutzt. Allerdings macht er uns glauben, dass es sich beim „Klimawandel“ um einen natürlichen Prozess handelt. So wie sich das Klima immer verändert hat und das eben unaufhaltsam ist. Während noch in den 1980ern mehrheitlich von Erderwärmung gesprochen wurde, verwenden wir heute den deutlich unkritischeren Begriff des Klimawandels.

Aufruf zum weltweiten Klimastreik

Mit Radikalität zurück auf die Bildfläche

Um das Thema ins seiner Gänze und Komplexität zu erfassen, sprechen Medien wie der Guardian mittlerweile von „Klimakrise“. So wie die Debatte braucht auch die junge Klimabewegung mehr Radikalität. Denn während zum globalen Klimastreik 2019 noch Millionen Menschen auf die Straße gingen, waren 2020 viel weniger Demonstrant:Innen unterwegs. Was daran liegt, dass das Corona-Virus dieses Jahr im Mittelpunkt der medialen Aufmerksamkeit steht – und damit bedeutet, dass Klimafragen dieses Jahr oft hintenan stehen.

Ja, in Fragen großer persönlicher Not und Angst um die eigene Existenz, Arbeit, Gesundheit oder Familie erscheint es viel verlangt, komplexe Zusammenhänge wie die globale Klimakrise nicht aus den Augen zu lassen. Und doch ist es wichtig, hier am Ball zu bleiben. Nicht zuzulassen, dass das Thema wieder unter den Tisch fällt. Noch können wir die Dinge verändern – wenn wir die Krise annehmen als das, was sie ist: Die größte Bedrohung der Menschheit. Und eine Chance zur Veränderung. Auch deshalb waren wir – wie bereits letztes Jahr – am 25. September beim Klimastreik dabei. Um endlich selbst zu handeln und unsere Zukunft nicht aufzugeben. Und um klar zu benennen, um was es sich handelt: Die Klimakrise.

Nominierung für den deutschen Nachbarschaftspreis

Wir freuen uns sehr, dabei zu sein.

Verrückt und schön zu sehen, wie Arbeit sich auszahlt. Gerade eben haben wir erfahren, dass „Zur Tonne“ aus über 900 Einreichungen für den Nachbarschaftspreis 2020 nominiert wurde. Der Preis wurde von der Nebenan Stiftung ins Leben gerufen, um nachbarschaftliches Engagement auszuzeichnen. Wir gehören damit zu 107 ausgesuchten Initiativen bundesweit. Die Nominierung freut uns besonders, da wir darin auch sehen, dass wir mit „Zur Tonne“ und dem Engagement dahinter auf dem richtigen Weg sind. Im September wählt eine Expertenjury je einen Gewinner pro Bundesland. Wir freuen uns eigentlich schon, überhaupt dabei zu sein und halten euch auf dem Laufenden! Bis dahin findet ihr uns auch unter https://www.nachbarschaftspreis.de/de/zur-tonne/. Dort könnt ihr euch auch die anderen, inspirierenden Nachbarschaftsprojekte einmal anschauen.

Die Idee dahinter

Stellvertretend für alle engagierten Nachbar:innen zeichnet der Deutsche Nachbarschaftspreis einmal im Jahr Projekte und Initiativen mit Vorbildcharakter aus, die sich vielerorts für ihr lokales Umfeld einsetzen, das Miteinander stärken und das WIR gestalten. Der Preis ist mit insgesamt 58.000 Euro dotiert und wird auf Landes- und Bundesebene vergeben. Mit dem Preis möchte die Stiftung deutschlandweit Nachbar:innen motivieren, sich für ihr Umfeld und ihre Mitmenschen einzusetzen. Dabei dienen die ausgezeichneten Lösungen und Ansätze als Inspiration, aber auch als konkrete Handlungsvorschläge.

Zur Tonne in der Presse: Leibniz Magazin

Unterwegs mit Tonnja / Foto von Lena Giovanezzi

Im Juli hat uns die Journalistin Doreen Reinhard einen Tag lang begleitet, um sich ein Bild von unserer Arbeit, der Küche „Tonnja“ und den Menschen hinter unserem Projekt zu machen. Herausgekommen ist ein wunderbarer Artikel im aktuellen Magazin der Leibniz-Gemeinschaft, der nicht nur noch einmal umreisst, worum es uns geht, sondern der auch Mut machen soll. Mut und Lust, Veränderung selber anzustoßen. Denn auch „Zur Tonne“ ist aus einer groben Idee im Rahmen des BürgerInnenbeteiligungsprozesses Zukunftsstadt Dresden entstanden. Genauer, aus dem Wunsch, Menschen zusammen zu bringen und Lebensmittel wieder mehr wertzuschätzen. Daraus ist dieses Projekt geworden, mit dem wir seit fast zwei Jahren in der Stadt unterwegs sind. Wir wissen nicht, wie die Zukunft aussieht, aber wir wollen sie mitgestalten.

Gazpacho und Pestos / Foto von Lena Giovanezzi

Die Zukunft fest im Blick

Die wunderbaren Bilder im Leibniz-Magazin stammen von der Fotografin Lena Giovanazzi, die ebenfalls einen ganzen Tag an unserer Seite war. Zum ersten Mal konnten wir unsere Arbeit auch Außenstehenden einmal näher zeigen. Wir haben uns sehr über diese Möglichkeit gefreut. Hier könnt ihr den wunderbaren Artikel von Doreen Reinhard nachlesen.